Donnerstag, April 27, 2017

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Zieberli

Als bei der Gründung ein Name für die Zunft gesucht wurde, erinnerte man sich an den Begriff Zieberliberg (Sigigerberg), nach dem Zieberlibaum benannt, und taufte sie dann auf den Namen Zieberlizunft. Allerdings war man sich damals nicht bewusst, dass hinter diesem Begriff noch weit mehr steckte.
Im Jahre 1972 entschloss sich der Zunftrat unter dem damaligen Präsidenten Franz Wicki dem Begriff Zieberli näher auf den Grund zu gehen. Er wandte sich an den Ruswiler Volkskundler Kurt Lussi, um etwas mehr Licht in die geheimnisvolle Sagenwelt zu bekommen. Dessen Nachforschungen ergaben einen äusserst interessanten und spannenden Bericht, der hier auszugsweise wiedergegeben wird.

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"Zieberlibärg hiess man früher die Gegend um die Bruderklausenkirche, und just unterhalb des 1949/1950 errichteten Gotteshauses zog sich ein schmaler Graben hin, an dessen Böschung die Zieberlibäume besonders gut gediehen. Nach dieser, heute selten gewordenen Zwetschgenart bennennt sich die Zieberlizunft Sigigen, die nun bei der Kirche ein derartiges Bäumchen gesetzt hat. Um es vorweg zu nehmen: die in bunte Bänder gehüllte und mit einem massiven Pflock vor Sturm geschützte Plfanze hat ihre höhere Weihe noch nicht erhalten. Zum Zieberli wird der Zwetschenbaum erst, nachdem ihm Schosse der letzten, in Sigigen bekannten Zwetschgenbäume aufgepropft worden sind. Der Zunftname ist von der Frucht des Zieberlibaumes (prunus insititia) abgeleitet, einer Untergattung der Hausplaume oder Zwetschge. Die ursprünglich aus dem Kaukasus stammende Pflanze ist in Europa schon sehr früh eingebürgert worden, wie ihr zahlreiches Vorkommen in Zwergensagen belegt. Der Obstbaum mit den schneeweissen Blüten und kugeligen, schwarzvioletten Früchten wurde besonders im Westen Deutschlands häufig kultiviert. Seit dem ersten Weltkrieg ist er am Verschwinden. Nebst unserem Zieberli ist er auch nocht unter dem Namen Kriechpflaume, Spelling, Haferschlehe oder Zipper bekannt.

Ein mythischer Begriff

Im Kanton Aargau bedeutete Zibärtli einerseits die Zipperpflaume und zugleich auch die körperliche Zierlichkeit und Feinheit des Stutzers. Unter Zibärtli versteht man offenbar ein elbisches, koboldähnliches Wesen. Im Kanton Luzern erscheint die Frucht des Zieberlibaumes in Zwergensagen als eine besser geachtete und von den Zwergen und Hausgeistern bevorzugte Speise, vor allem, wenn sie als Zieberlistorm (ähnlich dem Chriesistrom) zubereitet wird. Dieser Glaube ist vielleicht ein Hinweis auf die sehr alte Kultur der Krichpflaume. In der Gegend von Mels ist Zipper der Name für den spukhaften Nachtvogel, der die Leute an einem Ort verfolgt, wo sich zu gewissen Zeiten auch Geistermusik vernehmen lässt. An anderen Orten ist die Zimpe ein weiblicher Dämon. Ob das Wort Zipper nun von Zauper, Zauberer oder zimpen, zauberformel raunen, abgeleitet ist, muss offen bleiben. Die magisch-mythische Herkunft darf sicher angenommen werden, da Zieberlimues und Zieberlistorm in Sagen als Speiseopfer für Erdmännchen und Zwerge erscheint. Wehe dem, der ihnen dieses versagt. Die Kobolde verlassen Haus und Stall, und mit ihnen verschwindet auch das Glück." (Kurt Lussi)

 

Herkunft:Wildpflaume mit kleinen, gelbgrünen Früchten, die sehr gerbstoffhaltig sind und meistens in der Brennerei verarbeitet wird. Zieberlischnaps ist eine ausgesprochene Spezialität mit zartem Marzipanaroma, die Ausbeute ist aber recht niedrig. Zieberli (Zibarte) ist seit der Jungsteinzeit unverändert erhalten geblieben. Es gibt verschiedene Typen, die sich in Reifezeit und Fruchtgrösse unterscheiden und vor allem in Süddeutschland, Österreich und in der Schweiz noch vereinzelt wurzelecht vorkommen.
Verwendung:
Brennfrucht für Obstbrandspezialität von aussergewöhnlichem Geschmack
Frucht:
Die Reife liegt zwischen Mitte September und Mitte Oktober. Kleine, runde Früchte. Bei einem Durchmesser von 18-22 mm wiegen sie 4-7 g. Gelbgrün, schwach bereift, auf der Sonnenseitecteils leicht rötlich. Mittellanger, kräftiger Stiel. Das gelbgrüne Fruchtfleisch ist weich und saftig, es löst sich schlecht von Stein und hat einen hohen Gerbstoffanteil, geschmacklich erinnern die Früchte deshalb mehr an Schlehen als an Pflaumen. Lassen sich nach dem ersten Frost leicht vom Strauch schütteln.
Baum: Strauch oder kleiner Baum, bei Veredelung auf Myrobalane mittelstark wachsend. Dünne, braunviolette Jahrestriebe mit engen Internodien und vielen Blüttenknospen